Buch: Underground

Ein Thema wie es aktueller kaum sein könnte doch in dem von “Suelette Dreyfus” erschienene Hackerbuch geht es keines Falls um aktuelle Hackaraktivitäten, Berichten über Anonymous oder das Hacken von Videospielnetzen. Genau so wenig geht es um die Enthüllungsplattform Wikileaks, auch wenn der Name “Julian Assange” auf dem Buchrücken haftet. Das aktuelle Geschehen kann man zu Hauf im Internet nach lasen. Julian Assange hat sicher einen nicht unwesentlichen Teil zum Buch beigetragen tritt jedoch lediglich als Co-Autor auf. Denn es handelt sich hierbei um eine weitere Auflage der bereits 1997 erschienen Erstauflage.

Im Buch geht es vielmehr um die Anfänge der Hackerzeit Ende der 80er Jahre. Es werden deren Wurzeln, die Motive und Geschichten einzelner sowie bestimmter Gruppern aufgegriffen. Denn diese sind keines Falls langweilig, im Gegenteil werden Einzelgeschichten und deren Zusammenhänge literarisch sehr gelungen dargestellt. Es macht Spaß von den jungen heranwachsenden Menschen zu lesen welche teilweise aus Neugierde, Unmut gegnüber Regierung und Konzernen oder aus anderen Motiven heraus durch ihre Attacken für Wirbel sorgen. Es wird viel von der australischen Szene geschrieben aber auch von einzelnen Hackergrößen aus den USA, Großbritanien und Deutschland. Hinter einer der Figuren des Buches mit dem Pseudonüm Mendax verbirgt sich niemand anderes als der junge Julian Assange, von dessen Anfängen und Motiven man hier ganz wertfrei lesen kann.

Insgesamt wird im Buch recht ausführlich über die Technik geschrieben gleichzeitig wird jedoch auch sehr auf die strafrechtliche Verfolgung und die anschließenden Gerichtsprozesse eingegangen. Es bleibt insgesamt kein Teil der Storry auf der Strecke. Im gegenteil macht das die Erzählungen um das Vorgehen, die Gefühlswelt und die Motive und Auswirkungen der Taten nur authentischer. Das Buch liest sich teilweise wie ein Roman und lässt die Identifikation mit den Figuren zu. Besonders gefallen hat mir die Geschichte um Par und dessen lange Flucht vor den Behörden und die Geschichte um Electron und Phoenix.

Am Schluß wird ein wirklich starkes Statement zur aktuellen Situation von Dreyfus abgegeben und jede Person noch einmal aufgeführt.

Großer Bonus machen für mich die sich vor jedem Kapitel befindlichen und sehr passenden Textausschnitte von Songs der Band “Midnight Oil” aus.